Palermo – Ohne Worte 2025

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Palermo – ohne Worte – ist meine Überschrift, ich habe es nicht geschafft, mich mit dieser Stadt anzufreunden – ganz ehrlich! Sicher, alle Ziele, die wir ansteuern sind hochtouristisch, wir versuchen aber immer wieder aus dem Sog des reintouristischen herauszukommen, etwas „Typisches“ zu finden, zumindest in Kurzkontakt mit Einheimischen zu kommen – und sei es nur bei der Bestellung des Kaffee in der Bar morgens. Hier ist es für mich echt gescheitert, egal wo – überall wurde man mit einer abwertenden Miene behandelt, jeder – sicher oft ungelenke – Versuch in Italienisch wurde mit harschem Englisch gekontert, ständig gleichzeitig die Touri-„Folter“ – Meilen, wo von rechts und links Touristenfänger Dich an den Tisch des Lokals oder zum Kaufen von Gruselsouvenirs festhalten wollen. Das Beste, was uns entgegenkam war Ignoranz und ein nettes Gespräch mit Kölner Erasmusstudenten in einer „Touristen“-Bar. Irgendwie bitter für mich als Italien-Liebhaber in einer Stadt, die so viel Kultur zu bieten hat, dass ich mich tagelang schon nur mit den vielen Kirchen beschäftigen könnte…. Und dabei ist jetzt eigentlich Nebensaison…

Schöne Eindrücke haben wir natürlich trotzdem gesammelt!

Hier gleich zwei wichtige Sehenswürdigkeiten, der Palazzo dei Normanni und die heilige Rosalia

Die heilige Rosalia starb Mitte des 12. Jrh. als Eremitin auf dem Monte Pellegrino, ihre sterblichen Überreste wurden im 17. Jrh. in die Stadt überführt, die damals heftig wütende Pest hörte schlagartig auf, was ihr zugute geschrieben wurde. An zwei Tagen im Jahr wird ihrer gedacht, es gibt große Prozessionen, allerdings hatte Anfang des 19. Jrh. ein britischer Wissenschaftler (während seiner Flitterwochen in Palermo!) die sterblichen Überreste untersucht und festgestellt, dass es sich um die Gebeine einer Ziege handelt! – Tut ihrer Popularität ganz offensichtlich keinen Abbruch…

Der Palazzo selber ist in all seinen Erweiterungen recht absurd aber das wichtigste Kleinod befindet sich innerhalb seiner Mauern, die Cappella Palatina - Im Jahre 1130 erbaut - ein byzantinisches Kleinod mit arabischen und normannischen Einflüssen - ein Traum in Gold! - Leider im Augenblick wegen Restaurierungsarbeiten nur teilweise zu besichtigen....
Nicht nur die wunderbaren Mosaikarbeiten an den Wänden, sondern auch die arabisch anmutende aus Holz geschnitzte Stalaktitendecke mit auch figürlichen Malereien ist ein Hingucker!
Nette Plätze gibt es allenthalben, aber hier auch noch mit livegesungener Opernmusik...

Und auch an den Quattro Canti…. Hier sogar ohne Mikro gegen den Straßenlärm – Da capo!

Natürlich gibt es noch mehr bemerkenswerte Kirchen: hier die sehr schlichte mit den drei Kuppeln moscheenhafte San Cataldo:

San Cataldo

Und gleich nebenan die La Martorana, oder Santa Maria dell`Ammiraglio – klingt doch gewichtiger – oder?! Auch im 12. Jhd. erbaut, entstand ein wunderbares byzantinisches Machwerk mit – wieder – normanischen und arabischen Einflüssen… Leider kam man im Barockzeitalter auf die Idee einer umfangreichen Neugestaltung, was zu einer hochqualitativen aber fast bizarren Stilmischung geführt hat.

Das Bild oberhalb und unterhalb stammen aus der gleichen Kirche – echt jetzt! Und – wenn man drinsteht, irgendwie funktioniert es mit dem Stilmix…

Aber natürlich gibt es so viel Anderes aus Palermo zu berichten – z. B. scheint hier die Streetart-Szene sehr aktiv zu sein, wir sind durch Zufall in ein etwas „abgerissenes“ Viertel geraten, anscheinend bevölkert von einigen hervorragenden Streetart-Künstlern! Möge Ihnen ihr Viertel noch möglichst lange erhalten bleiben….

Von diesem reizenden Hund wurden wir begrüßt...
Ein kleines eingeschossiges Viertel, mutmaßlich frühere Arbeiterwohnungen - an jeder Ecke Neues im anderen Stil zu entdecken und teilweise hochprofessionell- wunderbar!
Ist sie nicht fantastisch!!!
Und zwischendrin zurück zum overtourism sizilianischer Art: Das erwartet einen bei der Suche nach einem Plätzchen zu etwas Essen und Trinken, wenn man in der "falschen" Gegend unterwegs ist. Da die Stadt ziemlich groß ist, hat man leider wenig Chancen, das ruhige "einheimische" Viertel mit traditioneller Küche zu finden. Zum Essen nur so viel: Wir haben mit keinem Geld im Studium sicher besser italienisch gekocht als das was wir vorgesetzt bekamen...
Interessiert hat uns auch das Viertel Kalsa, hier ist am Ende des II. WW extrem viel den Bomben zum Opfer gefallen, fantastische Paläste teilweise, die nie wieder aufgebaut wurden... stattdessen haben wir einiges an "Wiederaufbauprogramm" 60er Jahre zu Gesicht bekommen, aber auch viel Freifläche für Kinder und Familien

Und zu guter Letzt möchte ich an einen wichtigen – vielleicht den wichtigsten Vorreiter im Kampf gegen die Mafia erinnern – Giovanni Falcone, an den – immerhin  – heute viele Initiativen, Gedenkstätten – und dieses Mural – erinnern. Hätte er zu Lebzeiten eine solche Unterstützung erhalten…. Übrigens ist einer seiner Attentäter jetzt (2025) nach 30 Jahren Gefängnis und Auflagen wieder ein freier Mann….

Falcone mit seinem Freund und Mitarbeiter
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