
Pompeji – Unbezwingbar 2025
Es gibt Ziele, vor denen habe ich regelrecht Angst – Angst vor der Fülle und vor meinem Ehrgeiz – bloß nichts verpassen! Pompeji bedient beides zur Genüge – kurz – man kann Pompeji nicht an einem Tag schaffen, selbst wenn man nur die Gassen entlangläuft und kein einziges Detail beachten will… Also – die Herausforderung annehmen oder lassen? Wir nehmen an!
Um zum Anfang zurückzukommen, Pompeji ist riesig, an jeder Ecke „lauert“ etwas Schönes und Einmaliges, die Stadt wird unter den (immer müder werdenden) Fußsohlen lebendig, man kann in alle Lebensbereiche hineinschnuppern, sich förmlich hineinfühlen in die damalige, hochentwickelte Lebensart – und ich frage mich ständig – wie ist das alles verloren gegangen ist…. (ich denke da so ans Mittelalter…)
Über 6 Std. Fußmarsch, viele Orte waren nicht einmal geöffnet und wir haben das Gefühl, nur einen Bruchteil gesehen zu haben, es lohnt sich ganz sicher wieder zu kommen!

Turin – Cafes, Arkaden, Lebensstil – 2025
Es gibt selbst in Italien wenig Städte, die soviel Bedeutung in vielen öffentlichen Bereichen erlangt haben wie Turin:
War die erste Hauptstadt des gerade vereinten Italiens (nur ganze 4 Jahre – 1861 bis 1865), hat aber davor schon Erfahrung gesammelt als Hauptstadt des Herzogtums Savoyen und des Königreichs Sardiniens…
Ist geprägt durch eine komplett einheitlich durchgestaltete Innenstadt mit über 18 km Arkaden aus dem 17. bis 19. Jrh. (s. Titelbild…)
War einst die wichtigste Auto- und Industriestadt Italiens (ich sage nur Fiat, Lancia, Abath…) mit fast 2 Mio. Arbeitern
Aber Turin besitzt natürlich auch eine große Vielfalt wichtiger Museen und Bauwerke, wie z.b. das ägyptische Museum, mit das Größte außerhalb Ägyptens… Wir haben uns (so gewisse Übersättigungs-Ermüdungserscheinungen?!) „nur“ für das Museum / Palazzo Madama entschieden – auch schon eine Halbtagestour, zumal eine kleine Tintoretto-Ausstellung in Kommunikation mit einem zeitgenössischen Künstler lockte… „Leider“ ist das Haus auch noch „vollgestopft“ mit allem Möglichen an Kleinoden von Möbeln über Porzellan zu Schmuck, und die Räume selbst sind eine barocke Augenweide – vieel Zeit mitbringen, wenn man eine gewisse Affinität zu Kleinkunst hat…
Aber Turin hat natürlich auch „Handfesteres“, nämlich den flächenmäßig größten Wochenmarkt Europa`s mit einer Auswahl – auch in Berlin können wir nur davon träumen… Die wunderbare Halle ist größtenteils für Fleisch und Wurst reserviert – you name it – you get it ….
Turin dürfte auch die Hauptstadt der Kaffeejunkies sein, jedenfalls herrscht in der Innenstadt die höchste Cafehausdichte, die ich je erlebt habe…. Unter den Arkaden vorzugsweise alle paar Hundert Meter ein anderes altehrwürdiges Haus mit mind. 100 Jahren Tradition – nicht nur in Kaffee, sondern auch in Patisserie…
Der sogenannte „Mole Antonelliana“, zw. 1863 und 1889 als Synagoge gebaut, ist das Wahrzeichen Turins und auch das Einzige, wo sich der Massentourismus selbst im Spätherbst dr. lange Warteschlangen bemerkbar macht. Der Bau wurde wohl so teuer (glaubt man sofort, wenn man davor steht) das die jüdische Gemeinde sich finanziell übernommen hatte, der Staat übernahm und richtete ein Museum ein. Zu diesem Zeitpkt. galt der Bau mit 167,50 m als der zweithöchste begehbare Gebäude der Welt, und das in Ziegelbauweise!

Salerno – die Übersehene 2025
Erwischt hat uns Salerno mit strömenden Regen und aufpeitschenden Wind, kein Grund, nicht doch ans Ufer zu gehen! Und es gibt hier soviel mehr zu sehen! Ich glaube Angesicht von Amalfi-Küste, Capri, Pompeji und Neapel dient Salerno mehr als Durchgangsstation denn als Aufenthalt, aber es lohnt sich, gerade im beginnenden Winter, wenn sich so gar kein Tourist mehr in der Altstadt verliert…..
Die Altstadt ist wie erwartet verwinkelt und mit morbidem Charme, kleine überraschende Plätze, verbunden mit verwinkelten Gassen…
Eine echte Entdeckung war diese Hutmacherei in der dritten Generation, geführt noch immer vom weit über 70-jährigen Signore Russo, ein Mensch der seine Leidenschaft lebt, schon mit 10 hat er bei seinem Vater angefangen und der Laden – gleichzeitig Werkstatt – ist wie ein technisches Museum des Handwerks ausgestattet, vom Kohleofen, mit dem die winzigen Bügeleisen geheizt werden, zu elektrischen Heizformen, Holzschablonen für jede Hutform und Kopfgröße, die Regale hochgestapelt mit vorhandenen Modellen.
Wunderbar die Uferpromenade, ein echtes Meisterstück der Stadtplanung, alte Palmen, einfache Grünstreifen, alle paar Meter ein Kiosk oder Cafe und zwei Reihen endlos langer Bänke entlang des Ufers, im Schatten oder in der Sonne – wie es beliebt – Platz für alle und Jeden, dazu separate Spuren für Fußgänger, Jogger und Fahrradfahrer und eine herrliche Aussicht auf die Bucht und das Meer – perfekt, und dementsprechend intensiv genutzt. Sobald die Sonne wieder hervorkam, strömten die Menschen aus allen Ecken der Stadt – jung und alt, Studenten, Rentner und hundeausführende Spaziergänger – ein wunderbarer Platz für alle – so sollte es sein!
Ein Antibeispiel der recht neue „Pracht“-Bau von Bofill (frz. Architekt) ein Alptraum von Gigantomanie – ein Platz am Ufer, der im Sommer glühen wird und ohne jegliche Aufenthaltsqualität geplant wurde… Kennzeichnend ist, dass längst nicht alle Wohnungen besetzt sind und nach über 4 Jahren Eröffnung erst der erste Laden mit dem Ausbau beschäftigt ist…
Es gibt aber auch die übliche „Neu“-Stadt auf rechtwinkligem Grundriss mit großer Fußgängerzone, vielen (kleinen!) Geschäften und gut belebten Cafes…
Die prächtige Krypta, in der der Evangelist Matthäus begraben sein soll, erspare ich Euch! – ich sage nur – prunkvoll! Und außerdem kommt ja noch der nächste „Hammer“ der Kultur auf uns zu: Pompeji, – nur 3/4 Std. Zugfahrt von Salerno entfernt – natürlich ein Muss!!!

Catania – die Elefantenstadt 2025
Was hat dieser zugegeben ganz niedliche Elefant auf der nach ihm benannten Piazza mit der wunderbaren Stadt Catania zu tun? (Was ich im Bild unterschlage – er ist Teil eines Brunnens und trägt auch noch einen absurd hohen Obelisk auf seinem Rücken…) Natürlich ist er auch das Wappentier der Stadt, und dass schon seit dem 13. Jrh.. Allerdings wurde Catania auch schon im 10. Jrh. als Stadt des Elefanten bezeichnet. Wieso liegt im Bereich der Mythen – Tatsache ist, das Tierchen besteht aus einem einzigen Lavagesteinsblock und stammt aus der Römerzeit. Nach dem Erdbeben von 1693 fand man den Elefanten wieder, restaurierte ihn Anfang des 18.Jrh. und plazierte ihn auch noch mit dem ägyptischen Obelisken geschmückt inmitten eines neuen Brunnens. Sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe, wohin mit den alten Teilen ? – Wir kombinieren sie einfach …
Wie kam es aber zu der „innigen“ Verbindung mit der Stadt? Die fast irren Theorien über den Bacchuskult oder zu einem geheimnisvollen Zauberer gehören wohl eher ins Reich der Mythen. Plausibler ist, dass im 9. Jrh. vor Christus die Sizilianer Stress mit den Karthagern hatten, die sich weiter auf der Insel ausbreiten wollten und sie daher den griechischen König Pyrrhos I zur Hilfe riefen, der sowieso einen Feldzug gegen das junge römische Reich führte. Also kam er mit seinem Heer mit 26 trainierten Elefanten und befreite nebenher Sizilien von den Karthagern. Und so die Theorie – da diese Elefanten mitgewirkt haben bei der Befreiung (Elefanten dürften auf Sizilien eine ziemliche Sensation gewesen sein) kann man sie auch zum Wappentier erheben. (Viel interessanter als Löwen o.ä….) Ich möchte noch erwähnen, dass auch die Insignien der Stadtheiligen Agata auf der Spitze des Obelisken aufgebracht sind und die zwei Brunnenfiguren im unteren Bereich die beiden Flüsse Catanias symbolisieren, es ist also alles was wichtig ist in diesem Brunnen vereint.
Nach Palermo ist Catania deutlich entspannter, wir wohnen direkt über dem Fischmarkt, neben dem Bahnviadukt (unser Zuhause lässt grüßen!) und finden es wunderbar. Da macht es auch nichts, das schon morgens um 3:30 Uhr die ersten Handkarren rumpeln, der Fischgeruch kaum aus der Wohnung zu bekommen ist, – die Wohnung ist wunderschön, mit drei kleinen Balkonen, Schallschutzfenstern, einer fast vollständig eingerichteten Küche, alles nett!
Natürlich haben wir wieder ein paar Kirchen geschaut, aber sind eben auch über den Fischmarkt geschlendert, am Sonntag über den überraschend großen Flohmarkt (vor unserer Tür!), nach dem Essens-Disaster von Palermo haben wir selber auf dem Fischmarkt eingekauft und gekocht – herrlich! Jede Menge Arancini gegessen, das leckerste Zitronen-Granita genossen, den Blick auf den Ätna mit einem netten Mittagsmenü goutiert, irgendwie alles richtig gemacht…
Natürlich gibt es auch hier Tourismus en masse, die Restaurant-trouts stehen an noralgischen Stellen herum und sprechen einen an, aber die Aggressivität ist nicht so vorhanden, – jedenfalls empfinde ich das so…
Die Kathedrale des Erzbistums Catania ist der heiligen Agata gewidmet, der Schutzheiligen der Stadt. (hinten rechts der Elefantenbrunnen!)
Zeit für etwas Leichteres – zur Abwechslung mal Rokoko in Form der Innenausstattung der Kirche des ehemaligen Benediktinerinnenklosters San Benedetto – erstmals 1355 errichtet, wurde es nach dem Erdbeben von 1693 wieder neu erbaut.
Aber zur Wahrheit gehört, hier habe ich eines der Bilder der heiligen Agata gefunden, das ich oben vorgestellt habe… Und die hier lebenden Benediktinerinnen sind in strenger Klausur, Kontakt zur Außenwelt gibt es nur durch Gitter – siehe z.B. den Chor, ora et labora wird hier streng eingehalten….

Palermo – Ohne Worte 2025
Palermo – ohne Worte – ist meine Überschrift, ich habe es nicht geschafft, mich mit dieser Stadt anzufreunden – ganz ehrlich! Sicher, alle Ziele, die wir ansteuern sind hochtouristisch, wir versuchen aber immer wieder aus dem Sog des reintouristischen herauszukommen, etwas „Typisches“ zu finden, zumindest in Kurzkontakt mit Einheimischen zu kommen – und sei es nur bei der Bestellung des Kaffee in der Bar morgens. Hier ist es für mich echt gescheitert, egal wo – überall wurde man mit einer abwertenden Miene behandelt, jeder – sicher oft ungelenke – Versuch in Italienisch wurde mit harschem Englisch gekontert, ständig gleichzeitig die Touri-„Folter“ – Meilen, wo von rechts und links Touristenfänger Dich an den Tisch des Lokals oder zum Kaufen von Gruselsouvenirs festhalten wollen. Das Beste, was uns entgegenkam war Ignoranz und ein nettes Gespräch mit Kölner Erasmusstudenten in einer „Touristen“-Bar. Irgendwie bitter für mich als Italien-Liebhaber in einer Stadt, die so viel Kultur zu bieten hat, dass ich mich tagelang schon nur mit den vielen Kirchen beschäftigen könnte…. Und dabei ist jetzt eigentlich Nebensaison…
Schöne Eindrücke haben wir natürlich trotzdem gesammelt!
Die heilige Rosalia starb Mitte des 12. Jrh. als Eremitin auf dem Monte Pellegrino, ihre sterblichen Überreste wurden im 17. Jrh. in die Stadt überführt, die damals heftig wütende Pest hörte schlagartig auf, was ihr zugute geschrieben wurde. An zwei Tagen im Jahr wird ihrer gedacht, es gibt große Prozessionen, allerdings hatte Anfang des 19. Jrh. ein britischer Wissenschaftler (während seiner Flitterwochen in Palermo!) die sterblichen Überreste untersucht und festgestellt, dass es sich um die Gebeine einer Ziege handelt! – Tut ihrer Popularität ganz offensichtlich keinen Abbruch…
Natürlich gibt es noch mehr bemerkenswerte Kirchen: hier die sehr schlichte mit den drei Kuppeln moscheenhafte San Cataldo:
Und gleich nebenan die La Martorana, oder Santa Maria dell`Ammiraglio – klingt doch gewichtiger – oder?! Auch im 12. Jhd. erbaut, entstand ein wunderbares byzantinisches Machwerk mit – wieder – normanischen und arabischen Einflüssen… Leider kam man im Barockzeitalter auf die Idee einer umfangreichen Neugestaltung, was zu einer hochqualitativen aber fast bizarren Stilmischung geführt hat.
Das Bild oberhalb und unterhalb stammen aus der gleichen Kirche – echt jetzt! Und – wenn man drinsteht, irgendwie funktioniert es mit dem Stilmix…
Aber natürlich gibt es so viel Anderes aus Palermo zu berichten – z. B. scheint hier die Streetart-Szene sehr aktiv zu sein, wir sind durch Zufall in ein etwas „abgerissenes“ Viertel geraten, anscheinend bevölkert von einigen hervorragenden Streetart-Künstlern! Möge Ihnen ihr Viertel noch möglichst lange erhalten bleiben….
Und zu guter Letzt möchte ich an einen wichtigen – vielleicht den wichtigsten Vorreiter im Kampf gegen die Mafia erinnern – Giovanni Falcone, an den – immerhin – heute viele Initiativen, Gedenkstätten – und dieses Mural – erinnern. Hätte er zu Lebzeiten eine solche Unterstützung erhalten…. Übrigens ist einer seiner Attentäter jetzt (2025) nach 30 Jahren Gefängnis und Auflagen wieder ein freier Mann….

Catanzaro Lido – Strand mit Kakadu 2025
Um es vorweg zu nehmen: Catanzaro Lido war eine Notlösung, einfach ein Zwischenstopp zw. Bari und Palermo – einmal durchatmen bevor es weitergeht mit dem run durch Straßenschluchten und über Plätze voll überbordernder Kultur und Geschichte. Und genau das war es auch – und noch mehr…
Viel zu schnell ging dieser Tag rum, mit Spaziergang, Texten schreiben, ein nicht komplett leeres Restaurant finden – und einfach mal ewig (scheinbar) sinnlos in die Ferne schauen….
Es geht weiter mit dem Zug über die Straße von Messina nach Palermo – wir sind gespannt!
